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Artenschutzstiftung: Aktuelles

2022

Arbeit für den Ar­ten­schutz als "Krönung" einer beson­de­ren ­Kar­riere

Der Stell­ver­tre­tende Zoodi­rek­tor Dr. Clemens Becker geht in Ruhestand: Seit 1985 als Kurator in Karls­ruhe tätig

Seine gesamte berufliche Laufbahn ist dem Zoo Karlsruhe gewidmet. Mit fast 69 Jahren geht der stell­ver­tre­tende Zoodi­rek­tor und Arten­schutz­ku­ra­tor Dr. Clemens ­Be­cker zum Jahres­wech­sel in den Ruhestand. Als große Le­bens­leis­tung hat Becker 40 Jahre die Zucht von Orang-Utans ­ko­or­di­niert, er leitete das Europäi­sche Erhal­tungs­zucht­pro­gram­m (EEP) für die Menschen­af­fen.

Sein größtes beruf­li­ches Glück erlebte Becker jedoch, als Dr. Matthias Reinschmidt 2015 nach Karlsruhe kam um den vakan­ten ­Zoo­di­rek­to­ren­pos­ten zu übernehmen. Reinschmidt machte Becker zum Ar­ten­schutz­ku­ra­tor. "Diese Arbeit war für mich die Krönung ­mei­ner beruf­li­chen Karriere", betont Becker, der seit 1985 für den Karlsruher Zoo arbeitet.

Rein­schmidt und Becker kennen sich bereits seit 1986. Damals war der aktuelle Direktor Praktikant beim jungen Kurator Becker. Beide haben sich nie aus den Augen verloren und sind bis heute ­be­freun­det. "Für mich war es wunderbar, dass ich immer auf Cle­mens' großen Erfah­rungs­schatz aus all seinen Jahren im Zoo zu­rück­grei­fen konnte", sagt Reinschmidt.
"Seit meinem Vordiplom in Biologie wusste ich, dass ich in der Zoo­welt arbeiten wollte. Dabei ging es mir immer ganz beson­der­s um den Arten­schutz. Das war früher aber eher ein Randthema. Jetzt ist es das Leitmotiv des Karlsruher Zoos und ich konnte ­mich seit 2015 genau in diesem Bereich als Arten­schutz­ku­ra­tor voll einbrin­gen", erzählt Becker stolz. Der Zoodi­rek­tor und sein Ar­ten­schutz­ku­ra­tor hoben so 2016 die Arten­schutz­stif­tung Zoo Karls­ruhe aus der Taufe, die sich seitdem für zahlrei­che Pro­jekte weltweit aber auch direkt vor der Haustü­re ein­setzt.

Das Duo brachte die Arten­schutz­stif­tung schnell voran. "In ganz ­kur­zer Zeit haben wir enorm viele Projekte etabliert. Ohne einen ­Zoo­di­rek­tor wie Matthias, dem dieses Thema ebenso wichtig ist wie mir, wäre das nie möglich gewesen", so Becker. Reinschmid­t ­gibt das Kompliment umgehend zurück: "Es hat immer Spaß gemacht, mit ihm zusam­men­zu­ar­bei­ten. Ich bewundere ihn für seinen enormen Ein­satz um den Arten­schutz."

Auch im Zoo-Team ist Becker äußerst beliebt. Seine ­Ge­sangs­ein­la­gen haben zahlreiche Mitar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter an ihren Geburts­ta­gen erfreut. Genera­tio­nen von Tier­pfle­gern genossen die Ausbildung bei ihm. Die Weitergabe von Wissen war ein weiteres beruflich Stecken­pferd des zukünf­ti­gen Rent­ners. Diesen Part hat er bereits vor geraumer Zeit an Zoo­tier­arzt Dr. Marco Roller abgegeben. Nicht nur in diesem ­Punkt war ihm eine geordnete und recht­zei­tige Überga­be wich­tig.

Bereits im Sommer 2021 übergab er das Orang-Utan-EEP nach ­Müns­ter. Dort kümmert sich seitdem Dr. Simone Schehka mit einem Team um das Zuchtbuch. "Noch nie in der Zooge­schichte wurde ein Zucht­buch so lange aus einer Hand geführt", stellte Reinschmid­t da­mals heraus. "Und mit den Orang-Utans ist es dazu noch eines der besonders wichtigen. Wir sind unheimlich stolz darauf, dass ­Karls­ruhe so lange europaweit untrennbar mit der Erhal­tungs­zucht ­der drei stark bedrohten Orang-Utan-Arten verbunden war." Noch wäh­rend seiner Doktor­ar­beit hatte Becker 1982 das erste ­Zucht­buch heraus­ge­bracht.

Dass der 1954 in Oster­bur­ken im Neckar-Odenwald-Kreis gebore­ne ­Be­cker sich einmal so auf dem großen europäi­schen Zoopar­ket­t ­be­we­gen würde, war jedoch nicht selbst­ver­ständ­lich: "Ich war kein Stadtkind, sondern ein richtiger Landbub - mit viel Liebe zu Natur und Tieren." Es sei ein großes Glück gewesen, dass er über­haupt auf das Gymnasium gehen durfte. Das sei auf dem Land da­mals eher unüblich gewesen. Bereits in der Schule wurde ihm klar, dass er Biologie studieren wollte, was er 1975 in Hei­del­berg begann.

Einer der damaligen Dozenten, Prof. Karl-Heinz-Möller, hatte ­beste Bezie­hun­gen zu allen möglichen Zoos. Mit ihm unter­nah­men ­die jungen Studenten teils wochen­lange Exkur­sio­nen in Tier­gär­ten. Zudem lehrte damals auch Rosl Kirchs­ho­fer in Hei­del­berg, die gleich­zei­tig die Zoopäd­ago­gik im Zoo Frank­fur­t lei­tete. Durch sie bekam Becker die Möglich­keit, im Rahmen ­sei­nes Studiums eine Verhal­tens­stu­die bei Orang-Utans in Frank­furt zu machen.
Die Abschluss­ar­beit von Beckers Studiums drehte sich ebenfalls um die Menschen­af­fen: Verhal­tens­stu­dien zum Spiel­ver­hal­ten der Orang-Utans. Dazu ging Becker in die Zoos von Frankfurt, Köln, Krefeld und Stuttgart. Die Arbeit über das Objekt- und So­zi­al­spiel brachte ihm die Note 1,0 ein. Und er entschloss ­sich, seine Studien auf eine Promotion auszu­wei­ten.
Für die Doktor­ar­beit bereiste der Biologe 25 Zoos und be­ob­ach­tete dabei 150 Tiere, verglich Bonobos und Orang-Utans. Die Promotion wurde ein großer Erfolg. Neben der erneu­ten Traum­note 1,0 konnte er seine Arbeit auch als Buch her­aus­brin­gen. Das Vorwort dazu schrieb kein geringerer als Prof. Bernhard Grzimek, der wohl bekann­teste Zoodi­rek­tor aller ­Zei­ten.
Auch wenn in Karlsruhe keine Orang-Utans gehalten wurden, so hatten es Becker die Schim­pan­sen immer sehr angetan, vor allem ­Schim­pan­sen-Senior Benny. Aber auch andere Tierarten weckten ­sein besonderes Interesse. "Wir hatten in Karlsruhe ein Pärchen ­Sä­be­lan­ti­lo­pen, das noch aus der Natur stammte", erzählt Becker. Dort war die Art in jener Zeit durch unkon­trol­lierte Jagd völlig ­aus­ge­rot­tet worden.

Becker kümmerte sich, gerade mit diesem Pärchen möglichst große ­Zuch­ter­folge zu erzielen. Bei einer ersten Wieder­an­sied­lung der sehr markanten Tiere in Marokko kam Karlsruhe zum Zug. Insge­sam­t ­zehn Antilopen aus der von Becker forcierten Zucht im Badischen ­konn­ten im Natio­nal­park Souss Massa ausge­wil­dert werden - zusammen mit Artge­nos­sen aus anderen Zoos.

Auch die Zucht der Wisente im Tierpark Oberwald, der Depen­dan­ce ­des Zoos mitten im Wald, lag Becker stets am Herzen. Aus dieser ­Gruppe konnten ebenfalls sehr früh Tiere in der Natur wie­der­an­ge­sie­delt werden. Auch bei dieser Tierart hatte der Mensch zuvor für eine Ausrottung in der Natur gesorgt. "Nur durch die Zoos hat das größte Lands­äu­ge­tier Europas überhaup­t ­über­lebt", erläutert Becker. Bis heute werden regelmäßig Tiere aus Karlsruhe an Auswil­de­rungs­pro­jekte mit dem WWF über­ge­ben.

Das wichtigste Einzel­pro­jekt Beckers konnte jedoch erst mit Grün­dung der Arten­schutz­stif­tung verwirk­licht werden. In Ecuador am Westhang der Anden wurde Land erworben. Auf einem Teil des Ge­län­des steht primärer Nebelwald, der eigentlich für Tierwei­den ­ab­ge­holzt werden sollte. Der Rest der Fläche war bereits ent­wal­det. Durch die Arten­schutz­stif­tung Zoo Karlsruhe konnte der Nebelwald erhalten und an den abgeholz­ten Flächen wieder­ auf­ge­fors­tet werden. Seitdem wurden bereits drei weite­re ­Ge­län­de­teile in der Region angekauft.

"Ecuador ist einfach etwas Beson­de­res", schwärmt Becker, der zur Fi­nan­zie­rung des Ankaufs der Gelände "Klinken putzen" musste. Mit seinem Enthu­si­as­mus hatte er aber recht zügig auch Gönner auf­ge­tan, die größere Summen spendeten. Ecuador zählt zu den ar­ten­reichs­ten Ländern unserer Erde. Es gibt dort zum Beispiel 130 Kolibri- und 4.000 Orchi­de­en­ar­ten. "Das gilt es zu er­hal­ten", bringt es Becker kurz und knapp auf den Punkt.

Auch wenn er schon deutlich früher in Rente hätte gehen können, wollte er die Zeit als Arten­schutz­ku­ra­tor auskosten: "Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die Arbeit war immer Lebens­in­halt für mich. Ich kann zufrieden auf das Er­reichte zurück­bli­cken. Aber jetzt verschie­ben sich meine Prio­ri­tä­ten mehr ins Private. Ich freue mich auf die Zeit, die ich jetzt mit meinen Enkeln verbringen kann."

Statt Südstadtd­schun­gel wird Familie Becker viel Zeit in der Natur verbringen. Im Forbacher Ortsteil Hundsbach nahe des Na­tio­nal­parks Schwarz­wald hat sich Becker ein kleines Häuschen ­ge­kauft, das er auch in viel Eigen­ar­beit saniert: "Es soll ein Treff­punkt für die ganze Familie werden. Ein Mehr­ge­ne­ra­tio­nen­häus­chen mitten im Grünen."

Ganz verzichten muss die Arten­schutz­stif­tung aber nicht auf Becker. Gemeinsam mit Reinschmidt bleibt er Vorsit­zen­der. Und auch wenn Becker sein Büro im Erdge­schoss der Zoover­wal­tung räumt, im Exotenhaus bekommt er einen neuen Arbeits­platz. Von dort aus wird der Rentner Becker sich weiterhin zum Wohle des Ar­ten­schut­zes im Zoo einbringen.

Newsletter Nr. 18 im Dezember 2022


Das Jahr 2022 neigt sich seinem Ende entgegen. Und wir freuen uns, dass wir Ihnen - wie in
jedem Dezember - einen aktuellen Newsletter (Nr. 18) übersen­den ­kön­nen.
Unsere Projekte in Ecuador und Kenia haben sich in den ver­gan­ge­nen Jahren sehr erfolg­reich
entwi­ckelt. In der nahen Zukunft möchten wir in Ecuador ein vier­tes Reservat erwerben und in
Kenias Savanne einen neuen Tierkor­ri­dor sichern.

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Fischadler soll sich wieder in Baden-Württem­ber­g an­sie­deln

Arten­schutz­stif­tung Zoo Karlsruhe unter­stützt NABU / Horst im Land­kreis Rastatt angebracht (Februar 2022)


Im Jahr 1907 wurde der Fischadler in Baden-Württem­berg durch­ ­Be­ja­gung ausge­rot­tet, zukünftig soll er wieder im südli­chen ­Land­kreis Rastatt brüten. Möglich gemacht wird das durch eine ­ge­mein­same Aktion des Natur­schutz­bunds Deutsch­land (NABU) und der Arten­schutz­stif­tung Zoo Karlsruhe. Eine künst­li­che Horst-Plattform wurde dafür auf einem geeigneten Baum im süd­li­chen Landkreis Rastatt in unmit­tel­ba­rer Nähe zu Rhein und Al­trhein aufgesetzt.

"Im Elsass haben sich 2019 am südlichen und mittleren Oberrhein wie­der Fisch­ad­ler­paare angesie­delt und erfolg­reich gebrütet. Das ist für uns auf der badischen Seite die einzig­ar­tige Chance, weiteren Paaren attraktive Brutplätze zur Verfügung zu stellen und sie somit bei uns wieder heimisch zu machen", erläu­ter­t ­Mar­tin Klatt, Arten­schutz­re­fe­rent beim NABU Baden-Württem­berg.

Das Forstamt des Landkrei­ses Rastatt hatte bei der Auswahl des Baumes geholfen, auf dessen Spitze der Horst befestigt wurde. Dr. Daniel Schmidt-Rothmund, Greif­vo­gel­ex­perte und Leiter des NABU-Vogel­schutz­zen­trums Mössingen, betätigte sich selbst als Baum­klet­te­rer, um die stabile Nisthilfe anzubrin­gen.

"Es ist klasse, wenn wir dem Fischadler hier helfen können", sagt Schmidt-Rothmund. Durch das Anbringen von künst­li­chen Hor­st­un­ter­la­gen, bevorzugt in hohen Kiefern, die die übrige ­Kro­nen­schicht eines Waldes überragen, ließen sich brutwil­li­ge ­Fisch­ad­ler­paare zur Nestanlage bewegen. Das sei aus jahr­zehn­te­lan­ger Erfahrung bekannt, erläutert Klatt.
Die Kosten in Höhe von 3.500 Euro übernimmt die Ar­ten­schutz­sti­fung Zoo Karlsruhe. "Wir unter­stüt­zen den NABU bei diesem Projekt sehr gerne. Für uns sind neben dem in­ter­na­tio­na­len Engagement gerade auch die Anstren­gun­gen für die Ar­ten­viel­falt unserer Heimat sehr wichtig", betont Dr. Clemens ­Be­cker, Vorstand der Arten­schutz­stif­tung und Arten­schutz­ku­ra­tor ­des Karlsruher Zoos.

"Es wäre sensa­tio­nell, wenn diese prächtigen Tiere auch wieder auf der badischen Seite brüten würden", freut sich Zoodi­rek­tor Dr. Matthias Reinschmidt, und ebenfalls Vorstand der Ar­ten­schutz­stif­tung. Die Nähe zum Rhein und die vielen ­Was­ser­flä­chen im mittel­ba­di­schen Raum würden die Region im süd­li­chen Landkreis Rastatt zum idealen Raum für die In­stal­la­tion von passenden Horst­un­ter­la­gen machen. Angebrach­te Wild­ka­me­ras können die Brut dokumen­tie­ren, sollten Fisch­ad­ler nach 115 Jahren erstmalig wieder Jungtiere in Baden-Württem­ber­g auf­zie­hen.